MIT VERLUST IST ZU RECHNEN
Ulrich Seidl, AT 1992
Buch: Ulrich Seidl, Michael Glawogger
Kamera Peter Zeitlinger, Michael Glawogger (zusätzliche Kamera)
Mit Paula Hutterová, Sepp Paur, Stepánká Srámkoyá, Rusena Machaloyá, Miroslav Sedlar, Alois Paur, Vladimir Kundrát
115 min Farbe dt./tschech. OmdU 35 mm
Eine ungewöhnliche Annäherung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs: Witwer Sepp ist, nachdem sich seine Essensvorräte langsam dem Ende zuneigen, auf Brautschau. Wenige Kilometer entfernt, auf der anderen Seite der Grenze, lebt die ebenfalls verwitwete Paula im Nachbarort. Die beiden beginnen, einander ins Auge zu fassen ...
Anja Salomonowitz: »Ich habe die Filme von Ulrich Seidl immer bewundert und studiert. Nicht unbedingt wegen der Inhalte, ehrlich gesagt, sondern wie man Dokumentarfilme anders machen kann. Künstlerisch machen kann. Wie man Tatsachen in Bilder übersetzen, nicht aussprechen kann. MIT VERLUST IST ZU RECHNEN ist mein Lieblingsfilm von ihm. Als Ulrich Seidl dann einen Tag an der Filmakademie eine masterclass gehalten hat, also seine Filme gezeigt und dazu gesprochen hat, hab ich keinen Hehl daraus gemacht, wie sehr ich seine Arbeit schätze. Ich habe ihn dann gebeten, meinen CARMEN Film anzusehen. Carmen ist ein Dokumentarfilm über die Carmen, die ins Schikanederkino verliebt ist. Buchstäblich: sie spricht mit dem Kino, sie übernachtet im Kino, sie schläft mit dem Kino (mit den Holzlehnen zwischen den Sitzen). Ich habe den Film damals im Rahmen meines Studiums in Deutschland geschnitten und niemand dort hat verstanden, ob sie oder ich das wörtlich meinen. In Wien war das klar. Irgendwelche Verrücktheiten: haben wir gegessen. Klar, die ist verliebt ins Kino. Das meint sie so. Ich hab die Seidlsche Technik angewandt: die Menschen erzählen lassen, ohne zu kommentieren. Sie lässt ihrer Liebe freien Lauf. Es gibt keinen Psychiater, keine Eltern, niemand der sich über sie erhebt. Der Ulrich Seidl fand das natürlich gut. Ich habe danach Jahre für ihn gearbeitet und diese Zeit sehr genossen. Ich war zu allem bereit, weil es so Spaß gemacht hat, in die Niederungen unseres Menschseins hinein zu laufen und zur Conditio Humana zu kommen.« (red)
Do 19.11.: In Anwesenheit von Anja Salomonowitz