THE BOY WILL BE CIRCUMCISED

Volkstheater VIENNA, 2016

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"Well, you aren't supposed to throw the foreskin in the trash, you return it to the earth. And since I don't have a garden, I buried the foreskin in a large flower pot inside my kitchen."
From: The boy will be circumcised

"Why is that so important to you?" For The boy will be circumcised, Anja Salomonowitz conducted numerous interviews on the topic of ritual circumcision of young boys. In The boy will be circumcised, the memories and opinions of mothers, fathers, doctors and philosophers are weaved together into a theatre play with music. The men also get a chance to speak - those who were circumcised when they were children or those who let themselves be circumcised voluntarily at a later point in life - be it in a Jewish, Islamic or Christian environment.

"These texts are repeated by a group of children on stage: six older children, two younger ones - and one kid, hiding behind the curtain. The children assume the positions of grown-ups, who, in regular life, discuss and decide things over the children's heads. Together with actress Karin Lischka, they carefully take small steps into a world, which seems strange to many or even scary to some."
(Press release Volkstheater Vienna, March 2016)

Premiere on 3rd of April 2016 at Volx/Margareten
Performances on 5th, 6th, and 10th of April as well as 4th and 9th of May.
A production of the Volkstheater Vienna
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Also im Judentum soll man die Vorhaut ja nicht in den Mist werfen, sondern die gibt man der Erde zurück. Und weil ich keinen Garten hab, hab ich die Vorhaut in einem großen Blumentopf in meiner Küche eingegraben.

Unser Sohn kann keine Phimose kriegen, wenn er beschnitten ist und für die Frauen, mit denen er einmal zusammen sein wird, ist es auch gut, es gibt ja das Thema Gebärmutterhalskrebs..... Also warum nicht, ja, wenn man, da , da, sozusagen etwas beitragen kann.

Also ich sag dir was, bei Lacan ist der Phallus ja das Zentrum der Macht und diese archaischen Rituale reproduzieren diese patriarchalen Machtstrukturen. Der öffentliche Raum unserer Gesellschaft ist männlich strukturiert.

Jetzt hab ich Kinder, die beschnitten sind, einen österreichischen Ehemann, der Moslem ist und geheiratet vor dem Imam. Also des hätt ich mir jetzt auch alles nicht so gedacht für mein Leben. Ich kanns mir nur so erklären: Ich bin einfach Perserin und Perserinnen beschneiden ihre Söhne.

Und ich: Okay, aber bitte bevor die Gäste kommen. Nur wir vier und geht schon. Bitte bevor meine gesamten Kollegen von der Nachrichtenredaktion, die sowas noch nie gesehen haben... bevor die alle kommen und bevor ich in deren Augen sehen kann, in welchen Irrsinn wir uns da verrannt haben.

Bei egal welcher Religion kannst du, kannst du immer drüber diskutieren, gehörst du dazu, oder gehörst du nicht dazu, aber beim Islam und auch beim Judentum ist es einfach so, dass du das siehst und du kannst nicht drumherum reden, Ja? Kannst ja nicht sagen ja, ich bin ausgetreten oder bin nicht ausgetreten, entweder, du bist dabei oder du bist nicht dabei im Klub.

Für mich gehört es zum Leben dazu. Nicht zum Glauben, sondern zum Leben, dass man beschnitten wird. Und das hat etwas zu tun mit der Konstruktion von Identität. Und zu sagen, na macht das doch, macht das doch später, lasst doch die Leute selbst entscheiden, später, das heißt, nicht zu verstehen, wie Identität und Religion funktioniert. Religionen verlangen von uns immer Irrationales.

Diese ganze Geschichte symbolisiert nämlich die Frage, ob eine Gesellschaft bereit ist, den Anderen sein zu lassen. Man kann ja sagen, wir können weiter Untersuchungen machen, wie gut und wie schlecht die Beschneidung ist und vielleicht wird‘s eines Tages eine Entscheidung über diese Frage geben. Aber es ist notwendig, diesen Anderen zu akzeptieren und leben zu lassen. Denn wir haben es nicht nur mit einer antisemitischen Vergangenheit zu tun, sondern auch mit einer antimuslimischen Gegenwart.

Music: Bernhard Fleischmann
Stage and Costums: Katharina Heistinger
Projections/Film: Oleg Prodeus
Dramaturgy: Roland Koberg
Directed by: Anja Salomonowitz
Assistant to the director: Calle Fuhr
Production Interns: Martin Knuhr, Miriam Tsekas
Casting: Mirela Baciak
Recherche, Transkriptions: Angela Heide, Martin Knuhr, Tina Leisch
With: Karin Lischka, the Kids Fanny Berner, Louize Brudermann, Simon Christian, Robert Czyszczon, Nathan Eckert, Oskar Fried, Mika Perner, Elizabeth Pritchard-Smith, Somya Rathee and Bernhard Fleischmann
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THEATRE
Performing Rights:
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